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Rahmeninstandsetzung im Zwielicht. Der Streit der Richter

(Motorrad , Ausgabe 24/84)
Das Richten von Motorradrahmen ist in
das Kreuzfeuer der Kritik geraten. Hauptsächlich betroffen ist das Allianz Zentrum für Technik in Ismaning.
Für Gerhard Köster war der Fall glasklar: „Auf einem Blackhawk-Richtstand kann mann einen gerichteten Motorradrahmen nicht immer beurteilen." Der bayerische Werkzeugmacher- und Kfz-Meister beharrte in einem Brief an MOTORRAD darauf, einwandfreie Arbeit abgeliefert zu haben. Köster gehörte zu jenen geprüften Instandsetzern, deren Arbeit in MOTORRAD 13/1984 unter die Lupe genommen wurde. Keiner der Reparaturbetriebe hatte damals das Klassenziel erreicht.
.Diese Methode halten auch die BMW-Ingenieure für den einzig gangbaren Weg. Ihre rechnergesteuerte Siefelmaier-Meß-maschine nimmt den Rahmen an den gleichen Punkten auf wie Kösters Eigenkonstruktion. Das hat seinen guten Grund, denn die Fertigungstoleranzen bei Biege- und Schweißteilen sind groß. So ist keineswegs immer gesichert, daß die Rahmenunterzüge und damit auch die Schwingenachse paralell zueinander stehen. Im Klartext: Ein Rahmen kann im Blackhawk-Richtstand scheinbar gerade sein, aber tatsächlich eine erhebliche Sturzabweichung aufweisen.

Die Arbeit der getesteten Richtwerkstätten wurde im Auftrag von MOTORRAD auf einem Blackhawk-Richtstand nachgeprüft. Aus gutem Grund. Dieses Gerät schien ohne Fehl und Tadel, denn es ist Marktführer in der Bundesrepublik und eine Entwicklung des renommierten Allianz Zentrum für Technik in Ismaning, der ersten Adresse in Sachen Unfallinstandsetzung. Ein Ingenieur des Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-vereins (DEKRA) und fachkundige Zweiradexperten interpretierten Ergebnisse. Die waren allesamt schlecht.

Sollte ein Außenseiter wie Gerhard Köster gegen eine solche Ladung geballten Sachverstandes recht behalten? MOTORRAD ging seinen Anschuldigungen auf den Grund. Das Corpus delicti, ein BMW R 45-Rahmen, landete deshalb beim Hersteller in München. Und was keiner erwartet hatte, trat ein: Die BMW-Versuchsingenieure attestierten Köster eine tadellose Richtarbeit.

Nun galt es, die Fronten zu klären. MOTORRAD schickte den Rahmen deshalb ins Allianz Zentrum für Technik. Der nichts ahnende Chefentwickler des Blackhawk-Richtstands, Helmut Bohn, vermaß höchstpersönlich. Das Ergebnis des MOTORRAD-Tests bestätigte sich erneut. Bohn beurteilte den Rahmen als verzogen - ein falsches Ergebnis.

Die BMW-Entwickler selbst waren mit Gerhard Köster und den MOTORRAD-Redakteuren einer Meinung: Die Allianz-Entwicklung hat einen prinzipiellen Fehler: Die Aufspannvorrichtung setzt an den Rahmenunterzügen an. Doch nur wenn beide Unterzüge absolut paralell sind, ist gewährleistet, daß die Schwingenachse genau waagrecht im Blackhawk-Richtstand steht.

Genau das ist nämlich unabdingbare Voraussetzung, um den Lenkkopf und damit die Gabel maß- und funktionsgerecht zur Schwingenachse auszurichten. Erst dann laufen Vorder- und Hinterrad genau in einer Linie, wie sich das für ein Motorradfahrwerk nun einmal gehört.

Gerhard Köster hat dieses Problem schon vor über fünf Jahren erkannt. Er hat deshalb einen eigenen Richtstand entwickelt, der den Rahmen genau waagrecht und in Längsrichtung ausgerichtet aufnimmt. Und zwar an der Schwingenlagerung

 

Bei neuen BMW R 80 Rahmen sitzt der linke Unterzug sogar konstruktionsbedingt etwas tiefer als der rechte. Wird der Rahmen hier aufgespannt, ergibt sich automatisch eine schiefstehende Schwingenachse.

Auch Blackhawk und das Allianz Zentrum für Technik haben das mittlerweile erkannt und sogleich hektische Aktivitäten entwickelt. Bei einem Lokaltermin in Ismaning zog Richtstandkonstrukteur Helmut Bohn sein Kaninchen aus dem Zylinder: Eine höhenverstellbare Aufspannvorrichtung, die allen Blackhawk-Kunden dringend empfohlen wird. Und Blackhawk Geschäftsführer Peter Rehberg informierte gar in einer Nacht- und Nebelaktion seine Richtwerkstätten, daß unbedingt vor dem Richten die Schwingenachse waagrecht ausgerichtet sein müsse. Dazu könne man sich bis zum Umbau der Aufspannvorrichtung mit schlichten Unterlegscheiben behelfen. Diese Methode hatte MOTORRAD-Redakteur Wolfgang Schnepf als Notlösung empfohlen.

Wohl vor diesem Hintergrund, und mit dem Rücken zur Wand, beharrt der Allianz Zentrum Technikchef Dr. Dieter Anselm kategorisch auf seiner Meinung: „Das Meßsystem ist in Ordnung, allerdings ist eine gewisse Präzisierung in der Handhabung notwendig." Stimmt genau. Denn der lapidare Hinweis in der Gebrauchsanleitung, daß die Richtarbeit am komplettierten Bike mit einem zweiten Meßsystem, der Allianz-Meß- und Prüflehre, kontrolliert werden sollte, wird in der Praxis meist ignoriert. Kein Wunder, schließlich verlassen sich die Rahmenrichter auf das Meßsystem des Richtstandes.

Die Meß- und Prüflehre kann nur an den Gabelbrücken angesetzt werden. Zeigt sie Abweichungen vom Sollmaß, müßte man erneut demontieren und den Rahmen abweichend von den Maßangaben des Richtstandes „nach Gefühl" richten. Solch ein Vorgehen ist reichlich praxisfremd und nicht gerade präzise zu nennen.

Da die Kritik an der Blackhawk-Anlage nur das Richten des Sturzes betrifft, nicht aber den Lenkkopfwinkel, könnten sich Reklamationen in Grenzen halten. Denn für den Sturz haben die Motorradhersteller großzügige Toleranzen eingeräumt. Ob die eingehalten wurden, kann nur eine Nachmessung mit der Allianz-Meß- und Prüflehre ans Tageslicht fördern. Motorradfahrer, deren Rahmen auf einer Blackhawk-Anlage gerichtet wurden, sollten, wenn sich das Fahrverhalten  nach dem Richten verschlechtert hat, eine solche Nachmessung nicht scheuen.

Eines jedoch ist sicher. Wer seinen Rahmen bei Gerhard Köster in Legau (früher Germering) reparieren ließ, wählte eine gute Adresse

Köster Motorrad GmbH
Jettinger Str. 10
D-89358 Goldbach

Tel.  +49 (0)8225 835
Fax +49 (0)8225 837

E-Mail: info@motorrad-koester.de